Sortenkunde

Cannabis verstehen, ohne Esoterik.

Was unterscheidet Indica von Sativa? Was machen Terpene? Was ist in Deutschland erlaubt? Hier die wichtigsten Begriffe, sachlich und verlinkt mit unserer Datenbank.

01 Grundbegriffe

Indica, Sativa, Ruderalis – was die Begriffe bedeuten.

Cannabis wird botanisch in drei Unterarten eingeteilt: Indica, Sativa und Ruderalis. Die Trennung geht auf Wuchscharakter und Herkunftsgebiet zurück. Indica-Pflanzen stammen aus dem zentralen Asien (Hindukusch-Region), sind kompakt und kurz, mit breiten Blättern und einer schnellen Blüte von sechs bis acht Wochen. Sativa-Pflanzen kommen aus äquatorialen Regionen, wachsen schlank und hoch, haben schmale Blätter und brauchen oft zehn bis vierzehn Wochen Blüte.

Ruderalis ist die kleinste der drei Gruppen, stammt aus dem nördlichen Eurasien. Ihre Besonderheit: sie reagiert nicht auf die Tageslichtlänge, sondern auf das Alter der Pflanze. Diese Eigenschaft ist die Grundlage für alle Autoflower-Sorten – aktuell 233 Stück in unserer Datenbank.

Die Faustregel Indica entspannt, Sativa belebt ist eine grobe Vereinfachung, die nichts über die tatsächliche Wirkung im Einzelfall sagt. Entscheidender als die Indica-Sativa-Achse sind das Cannabinoid- und Terpen-Profil. Nahezu jede moderne Sorte ist ohnehin ein Hybrid mit Anteilen aus mindestens zwei Gruppen.

02 Cannabinoide

THC, CBD, CBG und Co. – die Wirkstoffe.

THC (Tetrahydrocannabinol) ist der bekannteste Wirkstoff und Hauptursache für die psychoaktive Wirkung. Moderne Sorten erreichen je nach Genetik und Anbau Spitzenwerte zwischen 18 und 30 Prozent.

CBD (Cannabidiol) ist nicht-psychoaktiv und steht im Verdacht, die Wirkung von THC zu modulieren. Sorten mit einem Eins-zu-eins-Verhältnis von THC zu CBD gelten als ausgeglichener. CBD-reiche Sorten anzeigen.

CBG (Cannabigerol) ist die Mutter-Verbindung, aus der alle anderen Cannabinoide biosynthetisch entstehen. Spezielle CBG-Sorten haben in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit gewonnen.

CBN (Cannabinol) entsteht durch Oxidation von THC, vor allem beim Lagern oder Erhitzen. Es gilt als beruhigend.

Die Werte in unserer Datenbank sind Anbieter-Angaben. Strainology verifiziert nicht labortechnisch und gibt keine medizinischen Empfehlungen.

03 Terpene

Terpene – das Aroma macht die Wirkung mit.

Terpene sind die flüchtigen Duftstoffe, die das Aroma einer Sorte ausmachen – aber sie sind nicht nur Geschmack. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass Terpene die Wirkung von Cannabinoiden mitformen.

Wichtige Vertreter

  • Myrcen – erdig-moschusartig. In vielen Indica-Sorten dominant. Gilt als beruhigend.
  • Limonen – zitrusartig, hell. Oft in Sativa-Sorten. Gilt als belebend.
  • Caryophyllen – pfeffrig-würzig. Bindet auch an CB2-Rezeptoren.
  • Pinen – Kiefer, klar. Gilt als klarmachend, kann Gedächtnis-Effekte von THC abmildern.
  • Linalool – lavendelartig. Gilt als beruhigend, schlaffördernd.
  • Humulen – hopfig-erdig. Anti-inflammatorisch im Verdacht.
  • Terpinolen – kräuterig, leicht zitrusartig. Häufig in Haze-Sorten.
  • Ocimen – frisch, krautig. Selten in Höchstanteilen, oft als Begleitterpen.

Filtere unsere Datenbank nach Aroma-Profil über den Sortenfinder – Zitrus, Pinie, Erdig, Diesel, Käse und mehr.

Wirkungs-Aussagen zu Terpenen basieren auf veröffentlichter Forschung sowie Anbieter-Angaben und stellen keine medizinische Beratung dar.

04 Deutsches Recht

Heimanbau, Anbauvereinigung, Apotheke – wer darf was?

Seit dem 1. April 2024 ist Cannabis in Deutschland für Erwachsene teilweise legal. Drei Zugangswege sind in Kraft: privater Heimanbau, Anbauvereinigungen (umgangssprachlich Cannabis Social Clubs) und die medizinische Verschreibung über Apotheken.

Heimanbau (Cannabisgesetz, CanG)

Jeder Erwachsene darf bis zu drei blühende Pflanzen gleichzeitig im eigenen Wohnsitz anbauen. Der Besitz ist auf 50 Gramm zu Hause und 25 Gramm unterwegs limitiert. Saatgut darf legal bezogen werden.

Anbauvereinigungen (CSC)

Eingetragene Vereine mit behördlicher Anbau-Erlaubnis. Sie dürfen Cannabis für ihre erwachsenen Mitglieder anbauen und monatlich bis zu 50 Gramm pro Person abgeben. Mitglieder müssen seit mindestens drei Monaten in Deutschland gemeldet sein. Werbung für Anbauvereinigungen ist gemäß § 6 KCanG verboten.

Medizinisches Cannabis

Auf ärztliche Verschreibung in Apotheken erhältlich. Verschiedene Hersteller (Bedrocan, Aurora, Tilray u. a.) liefern Blüte und standardisierte Vollspektrum-Extrakte. Seit der Cannabis-Reform vereinfacht abrechenbar.

Diese Übersicht ersetzt keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen wende dich an einen Fachanwalt oder die zuständige Behörde.

05 Anbau-Begriffe

Was Stretch, Phänotyp und Co. bedeuten.

Phänotyp

Eine konkrete Ausprägung innerhalb einer Sorte. Aus 10 Samen derselben Genetik können sich mehrere unterschiedliche Phänotypen zeigen – verschiedene Wuchsformen, Farben, Aromen.

Stretch

Die Wachstumsphase zu Beginn der Blüte, in der die Pflanze sich noch deutlich streckt. Stretch-Faktor 2,5 bedeutet: die Pflanze verdoppelt bis verdreifacht ihre Höhe in den ersten Blütewochen.

Feminisiert

Samen, die zu nahezu 100 % weiblich keimen. Männliche Pflanzen produzieren keine rauchbaren Blüten. Feminisiertes Saatgut ist daher Standard im Heimanbau.

Autoflower

Sorten mit Ruderalis-Anteil, die unabhängig vom Lichtzyklus blühen. Schnell (10–12 Wochen von Samen zu Ernte), kompakt, etwas geringerer Ertrag. Ideal für kleine Indoor-Setups.

Schwierigkeit

Beginner = robust und verzeihend. Intermediate = braucht etwas Erfahrung. Advanced = empfindlich, anspruchsvoll bei Nährstoffen oder Bewässerung.

Stammbaum / Pedigree

Die genealogische Linie einer Sorte: aus welchen Elternsorten sie gekreuzt wurde und welche Großeltern dahinter stehen. Hilft, das Wirkungs- und Anbau-Profil vorherzusagen.

Bereit, die passende Sorte zu finden?

759 Sorten warten im Index. Filterbar nach Stärke, Typ, Aroma, Wirkung, Anbau-Setup und Erfahrungs-Level.

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